10.2012 - Versammlungsstätten - DIN EN 13200-1

Bauvorschriften-REPORT 2012

Bauvorschriften-REPORT Info-Dienst für Architekten und Planer Thema des Monats: Versammlungsstätten Zuschaueranlagen – neue Anforderungen nach DIN EN 13200-1 Wo sich viele Menschen versammeln, besteht auch ein erhöhtes Risiko, dass eigentlich harmlose Situationen außer Kontrolle geraten. Ob solche Probleme entstehen und wie ihnen begegnet werden kann, hängt entscheidend von den baulichen Gegebenheiten, insbesondere von der Anordnung und Ausführung der Zuschaueranlagen ab. Wesentliche Anforderungen hierzu stellt die DIN EN 13200-1, die als Ersatz für die Ausgabe 2004-05 im November unter dem neuen Titel „Allgemeine Merkmale für Zuschauerplätze” neu erschienen ist. Erweiterter Geltungsbereich Der neue Titel der fachlich überarbeiteten Neuausgabe entspricht einem erweiterten Anwendungsbereich. Während die vorangehende Ausgabe „Kriterien für die räumliche Anordnung von Zuschauerplätzen” (so der Titel) festlegte, beinhaltet die Neuausgabe neben konstruktiven auch Anforderungen an das Management. Dem entsprechend wurde die Norm neu gegliedert. Der Begriff Management steht hauptsächlich für die im neuen Abschnitt 4 angeführten technischen Einrichtungen, die der Steuerung und Überwachung des Betriebes dienen. Die Norm ist wie bisher anzuwenden bei Zuschaueranlagen ortsfester oder provisorischer Veranstaltungsorte (Stadien, Sporthallen etc.) und sonstigen Zuschaueranlagen in Gebäuden und im Freien. Die Norm gilt nicht für andere ortsfeste Veranstaltungsorte wie Theater, Kinos, Opernhäuser, Aulen, Hörsäle etc. Die Anforderungen zielen darauf ab, die Funktionalität der Zuschaueranlagen zu gewährleisten. Dabei geht es vor allem darum, jedem Zuschauer gute Sicht auf das jeweilige Ereignis zu ermöglichen. Die Festlegungen hinsichtlich der Anordnung der Zuschauerplätze, deren Bemessung und der Beschränkung der Belegungsdichte verfolgen nicht zuletzt auch den Aspekt der Sicherheit. Dies steht aber nicht im Vordergrund der Norm und die Angaben zu den Rettungswegen im Anhang E sind Empfehlungen. Maßgeblich hierfür, speziell für den Brandschutz und die Rettungswege, sind die bauordnungsrechtlichen Bestimmungen für Versammlungsstätten in den entsprechenden Verordnungen der Bundesländer (siehe Tabelle 4). www.bauvorschriften.de Ausgabe 10.2012 Herz und Seele! Man nennt sie Geisterspiele: Fußballspiele ohne Zuschauer. Sie machen erlebbar, dass die Zuschauer, wenn auch nicht Herz, sicher aber die Seele eines Spiels sind. Doch die Zuschauer sind auch die schwer kalkulierbare Masse, die bei Krawallen oder Panik zur Lebensgefahr für den Einzelnen werden kann. Deshalb wird immenser organisatorischer und technischer Aufwand getrieben, um die Sicherheit der Zuschauer zu gewährleisten. Eine Voraussetzung hierfür sind u. a. die baulichen Gegebenheiten. Regelmäßig wird die Abschaffung von Stehplätzen diskutiert, um das Gefahrenpotenzial zu minimieren. Die Grundlagen für funktionale und sichere Zuschaueranlagen beschreibt die neu erschienene DIN EN 13200-1, die im Mittelpunkt dieser Ausgabe steht. Unabdingbar ist jedoch auch die Berücksichtigung der jeweiligen Versammlungsstättenverordnungen der Länder. Beispielhaft für deren Anforderungen sind die hier zusammengefassten Regelungen der Muster- Versammlungsstättenverordnung. Werden sie eingehalten, ist bereits viel getan für ein Spiel mit Herz und Seele. Achim Linhardt, Dipl.-Ing. Architekt Weitere Themen: Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) Versammlungsstättenverordnungen der Bundesländer Aus juristischer Sicht: Planungsrisiken bei Versammlungsstätten ATV DIN 18339 Klempnerarbeiten Neue und aktualisierte Normen: DIN EN ISO 7010, DIN EN 12004 Naturtheater Hayingen (Bildquelle: http://picasaweb.google.de/NaturtheaterHayingen CC BY-ND 3.0)


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