Aus juristischer Sicht: Holz

Bauvorschriften-REPORT 2012

Bauvorschriften-REPORT– Info-Dienst für Architekten und Planer Aktuelle Urteile AufdemHolzweg ist, wer Holz ohne Sorgfalt verbaut Seit Jahren bereits ist Holz wieder ein bevorzugter Baustoff, und zwar nicht nur im Innenausbau, sondern auch als Baustoff für das Tragwerk von Gebäuden. Da Holz ein natürlich gewachsener Baustoff ist, ist bei seiner Verwendung besondere Aufmerksamkeit geboten. Mängel und Schäden durch zu hohe Holzfeuchte, den Befall durch Pilze und Insekten sind Dauerthemen vor Gericht. Hohe Anforderung an Prüfingenieure Im Jahr 2006 stürzte das Dach der Eissporthalle von Bad Reichenhall ein. Seitdem interessieren sich auch die Genehmigungsbehörden verstärkt für die Einhaltung von Prüfpflichten im Zusammenhang mit Holzkonstruktionen. Der Bundesgerichtshof hat festgehalten, dass einem überprüfenden Ingenieur hohe Sorgfaltspflichten obliegen. So sind Leimbinder einer Holzdecke nicht etwa nur – wie in Bad Reichenhall geschehen – mit dem Teleobjektiv zu überprüfen, sondern vielmehr „handnah“, d. h. aus nächster Nähe. Der überprüfende Ingenieur hat dabei eine sog. Garantenstellung gegenüber der Allgemeinheit, die in eine durch unzureichende Mängelfeststellung geschaffene Gefahr geraten kann (vgl. Urteil des BGH vom 12.01.2010 1)). Parkett: Wer haftet bei Feuchteschäden? Tückisch kann auch das Alltagsgeschäft auf der Baustelle sein, wenn es um vollkommen undramatische Situationen geht, wie etwa die Verlegung von Parkett auf Estrich. Ist der Estrich zu feucht, bevor das Parkett darauf verlegt wird,geht die Feuchte auf das Parkett über und es kommt zu sog. Aufschüsselungen. Diese unschöne Erscheinung tritt auch auf, wenn das Parkett selbst beim Verlegen noch zu feucht war oder wenn Parkett in ungeeigneten Situationen verwendet wird, z. B. in Räumen, in denen erhöht Feuchtigkeit anfällt. Im letztgenannten Fall ist der planende Architekt zumindest mitverantwortlich. In den anderen Fällen trifft es die ausführenden Handwerker und den Objektüberwacher. Verabschiedet sich dann der Handwerker in die Insolvenz, darf die Haftpflichtversicherung des Objektüberwachers aufgrund der Gesamtschuld als ungewollter „Insolvenzausfallversicherer“ für den gesamten Schaden aufkommen (vgl. hierzu Bauvorschriften- REPORT 9/2011, S. 7). Der Bodenleger muss vor dem Verlegen von Parkett die Restfeuchte des Estrichs prüfen. Ist im Estrich eine Fußbodenheizung verlegt, muss er sich zudem das „Aufheizprotokoll“ vorlegen lassen, so das OLG Hamm 2). Nach Rechtsprechung muss der Bodenleger den Bauherrn sogar über das Risiko einer zu hohen Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung aufklären. Die Frage ist, ob auch der bauüberwachende Architekt die Belegreife des Estrichs prüfen muss. Man könnte meinen, es handele sich hierbei auch um eine handwerkliche Selbstverständlichkeit, bei der dies nicht erforderlich ist. Das sah das OLG Stuttgart bereits vor 10 Jahren anders: Nach Auffassung des Gerichts muss der überwachende Architekt die hinreichende Trocknung eines Estrichs vor dem Verlegen eines Bodenbelages entweder selbst ermitteln oder er muss Messungen veranlassen und deren Resultat überprüfen. Kommt es bei unterlassener Prüfung wegen zu hoher Restfeuchte zu Mängeln am Parkett, haftet der Objektüberwacher gegenüber dem Bauherrn 3). Die Rechtsprechung sieht den Zeitpunkt der Fertigstellung eines Estrichs vor Verlegung eines Parkettbodens als typischen kritischen Bauabschnitt. Selbst dann, wenn man die Prüfung der Belegreife für eine handwerkliche Selbstverständlichkeit hält, besteht Kontrollpflicht des Objektüberwachers. Handwerkliche Selbstverständlichkeiten sind nämlich immer dann vom Bauleiter besonders zu kontrollieren, wenn sie durch den weiteren Baufortschritt verdeckt werden, so OLG Schleswig 4). Rügepflicht der Handwerkers Die daneben bestehende Rügepflicht des Bodenlegers beruht darauf, dass er mit seiner Leistung buchstäblich auf der Leistung des Estrichlegers aufbaut. Eine Rügepflicht besteht dagegen nicht, wenn eine Handwerker seine Leistung nicht auf dem vorangehenden Gewerk aufbaut, Tipp: Prüfung und Abnahme bei Parkett Bodenleger/Bauleiter: Vor Verlegung Belegreife des Untergrunds prüfen und/oder Prüfprotokolle vorlegen lassen Bodenleger/Bauleiter: Vor Verlegung auf Fußbodenheizung Aufheizprotokolle prüfen und Bauherrn vor zu hohen Vorlauftemperaturen warnen Bauherr: Vor Abnahme Holzfeuchte und Ebenheit prüfen, um Mithaftung für spätereMängel auszuschließen sondern nur an dieses heranführt. So ist der Putzer nicht verpflichtet, den Feuchtigkeitsgehalt von Holzteilen eines Fachwerkhauses, an die er seinen Putz heranführt, zu überprüfen. Er ist deshalb auch nicht für Risse in Folge starken Volumenschwunds des Fachwerkholzes haftbar, so OLG Düsseldorf 5). Auch den Bauherrn kann es treffen Kommt es am Parkett zu Mängeln infolge zu hoher Feuchtigkeit, kann es aber auch den Bauherrn selber treffen, nämlich dann – so das OLG Hamm im bereits zizierten Urteil 2) – wenn er in dem betreffenden Raum über einen längeren Zeitraum hinweg zu hohe Luftfeuchtigkeit zulässt. Grobe Mängel bei kritischen Arbeiten begründen stets den Anschein einer Pflichtverletzung des bauüberwachenden Architekten, so u.a. OLG Saarbrücken 6). Je feuchter also z. B. ein Estrich war, als das Parkett darauf verlegt wurde, desto größer ist der Anschein, dass Bodenleger und bauüberwachender Architekt ihren Pflichten nicht genügt haben. Der Bauherr ist daher gut beraten, den Zustand des Parketts, insbesondere Holzfeuchte und Ebenheit, vor der Abnahme zu prüfen. Nach der Abnahme muss nämlich er beweisen, dass das Raumklima, für das er selbst verantwortlich ist, nicht mitursächlich für Mängel am Parkett ist (OLG Hamburg 7)). Dr. Peter Hoffmann Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht www.hoffmann-stuttgart.de 1) BGH, Urteil vom 12.01.2010, Az. 1 StR 272/09 in NJW 2010, 1087 – 2) OLG Hamm, Urteil vom 13.12.2000 im BauR 2001, 1120 – 3) OLG Stuttgart, Urteil vom 09.11.2000, Az. 13 U 43/00 in BauR 2001, 671 – 4) OLG Schleswig, Urteil vom 06.07.1999, Az. 6 U 69/97 in BauR 2001, 1286 – 5) OLG Düsseldorf, Urteil vom 15.04.1997, Az. 21 NU 168/96 in BauR 1997, 840 – 6) OLG Saarbrücken, Urteil vom 11.12.2006, Az. 8 U 274/01 in BauR 2008, 1000 – 7) OLG Hamburg, Urteil vom 09.03.2005, Az. 13 U 19/01 in BauR 2005, 1339 Ausgabe 2.2012 7


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